10 Grundsätze für eine erfolgreiche Familienpflege

Familienpflege - ein Angebot für professionelle Hilfe in akuten Belastungssituationen.

Die Familienpflegerin/der Familienpfleger weiß, dass die geleistete Hilfestellung ein Einschnitt in die Privatsphäre der Familie bedeutet und einen erheblichen Einfluss auf das Familiensystem hat. Deshalb ist für diese anspruchsvolle Aufgabe gegenseitiges Vertrauen zwischen allen Beteiligten die wichtige Basis. Ziel ist es, ein einfühlsames Verhalten aufzubauen und auf die individuellen Bedürfnisse Aller einzugehen.

  1. Bei all ihrem tun handelt die Pflegekraft grundsätzlich in Absprache mit der Familie. Sie orientiert sich an deren Anspruchsniveau und ihren Gepflogenheiten. Die Pflegekraft kann nur Anregungen zu Veränderungen geben, wenn diese von der Familie gewünscht werden.
  2. Das Zusammenleben und die Zusammenarbeit in der Familie kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten die ihren zugedachten Aufgaben übernehmen und jeder sich seinem Alter entsprechend mitverantwortlich fühlt.
  3. Die Familienpflegerin/der Familienpfleger berücksichtigt die Gewohnheiten der Kinder, fördert ihre altergemäße Entwicklung und Selbstständigkeit und sorgt für einen geregelten Tagesablauf. Gewalt als Erziehungsmittel wird grundsätzlich abgelehnt.
  4. Ist während eines Einsatzes die haushaltsführende Person anwesend, bedarf es für die Pflegekraft bewusster Überlegungen und Absprachen, um sich der Rolle im Familiensystem klar zu werden.
  5. Die Familienpflege tritt nicht in Konkurrenz zur haushaltsführenden Person. Auf jeden Fall sollte sie für Kinder nicht die "bessere Bezugsperson" sein. Sie ist in dieser Situation aber auch nicht die Aushilfskraft der Familie.
  6. Während eines Familienpflegeeinsatzes ersetzt die Pflegekraft die haushaltsführende Person, die in der Regel mehr als acht Stunden täglich in Haushalt und Familie arbeitet. Die genehmigte tägliche Arbeitszeit der Pflegekraft wird jedoch immer kürzer; von daher muss sie im Vorfeld mit der Familie entscheiden, welche Tätigkeiten sie übernimmt, welche sie deligiert bzw. welche in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht erledigt werden können.
  7. Es ist notwendig zwischen allen Beteiligten die Entscheidungskompetenz zu klären. Eine Aufteilung der häuslichen und pädagogischen Aufgaben ist so vorzunehmen, dass sie auch für Kinder verständlich ist.
  8. Die Familienpflege übernimmt vorwiegend stellvertretend die Aufgaben der Mutter und Familienfrau. Dies muss in der Beziehung zum Vater/Lebenspartner deutlich formuliert werden.
  9. Ein sorgsamer Umgang mit anvertrautem Gut ist selbstverständlich, wobei die Pflegekraft ökologische Gesichtspunkte beachtet. Mit Ressourcen, wie Wasser und Energie, geht sie sparsam um.
  10. Beim Umgang mit Informationen werden die Grundsätze des Datenschutzes und der Schweigepflicht ausdrücklich beachtet.